Vögel gewöhnen sich nicht an Lärm

Vögel gewöhnen sich nicht an Lärm

Brut- und Aufzuchtzeiten sind auch beim MSC-Übungsgelände einzuhalten

Durch eine Untersuchung des Max-Plank-Instituts f√ľr Ornithologie wird best√§tigt, V√∂gel gew√∂hnen sich nicht an L√§rm. In der Publikation von 2019 wird aufgezeigt, dass lauter Verkehr normale Stress¬≠reaktionen st√∂rt und das Wachstum von Zebrafinken verz√∂gert. *)

Wer sich fragt, ob diese Aussagen auch f√ľr Motocross gelten, dem empfehlen wir die Arbeit von Hubertus Illner: Auswirkungen anthropogenen L√§rms. **) Er verweist auf die Untersuchung in Mischw√§ldern Nordkaliforniens, die die Auswirkungen des L√§rms von Cross-Motorr√§dern analysiert, die Forstwege zu Brutpl√§tzen des Fleckenkauzes eine Stunde lang befuhren. Schon die einst√ľndige St√∂rung f√ľhrt zu einem deutlich niedrigen Bruterfolg.

Die Aussage des B√ľrgermeisters und des Landschaftsarchitekten, der Betrieb einer Motocross-Anlage sei vertretbar, da die Tiere sich an die Nutzung und auch den L√§rm gew√∂hnen, konnte auf Nachfrage von Pro-Kaki nicht belegt werden. Die von der W√§hlergemeinschaft pr√§sentierten wissenschaftlichen Nachweise unterstreichen die Forderung nach einer zeitlichen Einschr√§nkung der Nutzungs¬≠m√∂glichkeiten der geplanten Motorsportanlage. Die Nutzung des Gebietes muss als Ma√ünahme zur Schadensbegrenzung auf Zeiten au√üerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten von Anfang April bis Ende August beschr√§nkt werden, um eine St√∂rung und erhebliche Beeintr√§chtigungen von Fauna und Flora, insbesondere der Brutv√∂gel, zu vermeiden.

Die Rechtslage

Einige Brutpaare des Baumpieper und der Goldammer wurden neben weiteren 130 Brutpaaren im Untersuchungsbereich von dem B√ľro Faunistica nachgewiesen. Alle gelten als europ√§ische Vogelarten und sind besonders gesch√ľtzt.

Baumpieper (Anthus trivialis) Rote Liste Bund -gefährdet-
Goldammer (Emberiza Bundcitrinella) Vorwarnliste Bund

Basis f√ľr den Vogelschutz in Europa ist die Richtlinie √ľber die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Richtlinie 79/409/EWG) oder kurz Vogelschutzrichtlinie. Sie wurde bereits am 2. April 1979 vom Rat der Europ√§ischen Gemeinschaft erlassen. Ziel der Vogelschutzrichtlinie¬†ist es, s√§mtliche im Gebiet der EU-Staaten nat√ľrlicherweise vorkommenden Vogelarten einschlie√ülich der Zugvogelarten in ihrem Bestand dauerhaft zu erhalten, und neben dem Schutz auch die Bewirtschaftung und die Nutzung der V√∂gel zu regeln.

Als "europ√§ische" Vogelarten im Sinne der Richtlinie gelten alle Vogelarten, die nat√ľrlicherweise in der EU vorkommen. Gem√§√ü Artikel 5 der Richtlinie, ist es grunds√§tzlich verboten, wildlebende Vogelarten zu t√∂ten oder zu fangen. Nester und Eier d√ľrfen nicht zerst√∂rt, besch√§digt oder entfernt werden, auch die V√∂gel selbst d√ľrfen, besonders w√§hrend ihrer Brut- und Aufzuchtzeit, weder gest√∂rt noch beunruhigt werden.***) Die Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie erfolgt in Deutschland vornehmlich durch das Bundesnaturschutzgesetz und die Bundesartenschutzverordnung

 

Das FFH Gebiet ‚ÄěKaltenkirchener Heide‚Äú und das geplante MSC-Gel√§nde haben durch die europ√§ische Vogelschutzrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz den gleichen Schutz. Die europ√§ischen Vogelarten sind alle besonders gesch√ľtzt und es gelten f√ľr alle 138 Brutpaare im Untersuchungsgebiet die Vorschriften des ¬ß 44 BNatSchG

¬ß 44 Vorschriften f√ľr besonders gesch√ľtzte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten

(1) Es ist verboten,

1. wild lebenden Tieren der besonders gesch√ľtzten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu t√∂ten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu besch√§digen oder zu zerst√∂ren,

2. wild lebende Tiere der streng gesch√ľtzten Arten und der europ√§ischen Vogelarten w√§hrend der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, √úberwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu st√∂ren; eine erhebliche St√∂rung liegt vor, wenn sich durch die St√∂rung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert

Diese Regeln, aus denen sich der Schutz in den Brut- und Aufzuchtzeiten ableitet, gelten auch f√ľr st√§dtische Erholungs- und Gr√ľnfl√§chen, wie das geplante MSC-Gel√§nde.

Die Untersuchungen und Vorgaben von Dr. Mierwald****) sind somit auch f√ľr das Untersuchungsgel√§nde der geplanten geplante MSC Gel√§nde anzuwenden. Die Beschr√§nkung auf Zeiten au√üerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten von Anfang April bis Ende August sollte auch f√ľr das Motocross-Gel√§nde gelten.

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*) Max-Plank-Instituts f√ľr Ornithologie

 https://www.mpg.de/13994933/1014-verh-060830-verkehrslaerm-stoert-normale-stressreaktionen-und-verzoegert-das-wachstum-von-zebrafinken

Originalpublikation: Conservation Physiology,  the Society for Experimental Biology.

**) Hubertus Illner,¬† Auswirkungen anthropogenen L√§rms, LaŐąrm und VoŐągel.pdf

 

***) Bundesamt f√ľr Naturschutz https://www.bfn.de/themen/artenschutz/regelungen/vogelschutzrichtlinie.html

 

****) Gutachten Dr. Mierwald vom Kieler Institut f√ľr Landschafts√∂kologie (KIfL)