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Presse

Segeberger Zeitung vom 04.08.2004
Bürger machen mobil gegen Mobilfunkantenne

Kaltenkirchen. „Sie ist nicht nur eine städtebauliche Schande, sondern möglicherweise auch eine Gefahrenquelle. Deshalb bin ich gegen die Mobilfunkantenne mitten in der Stadt“, sagt Angelika Rath und steht mit ihrer Meinung nicht allein. Mehrere Kaltenkirchener haben sich schon bereit erklärt, eine Bürgerinitiative gegen das an der Ecke Bahnhofstraße/Am Bahnhof unübersehbare Projekt der Handynetzbetreiber „O2“ und T-Mobile zu unterstützen.
Angelika Rath und ihr Mann Jürgen wohnen im Neuen Weg nur einen Steinwurf entfernt vom Siloturm. Das 17 Meter hohe Gemäuer gehört der Raiffeisenbank Bad Bramstedt/Henstedt-Ulzburg, nicht der wenige Schritte neben dem Turm ansässigen Raiffeisenbank Kaltenkirchen. Die beiden Mobilfunkanbieter T-Mobile und „O2 „ lassen hoch über dem Erka-Markt eine so genannte UMTS-Station einbauen. Die Raiba als Grund- und Gebäudeeigentümer bekommt dafür Geld. „Als am Montag der Kran anrollte, dachten wir zunächst, dass der Turm abgerissen werden soll. Doch dann trauten wir fast unseren Augen nicht“, schildert Jürgen Rath und schimpft: „Niemand hielt es für nötig, die Anlieger zu informieren, dass dort eine meterhohe Antenne installiert wird. Diese Heimlichtuerei ist nicht weniger schlimm als der Anblick“, meint der Kaltenkirchener, der seit 27 Jahren im Neuen Weg wohnt und sich dort bislang wohl gefühlt hat.
In der Nachbarschaft wohnt ebenfalls seit langem Nicole Maertz. „Auf der anderen Straßenseite wird für Millionen Euro ein neuer Bahnhof gebaut, der Turm verkommt dagegen zu einem Schandfleck“, ärgert sich die Geschäftsfrau über die unansehnliche Metallkonstruktion auf dem Siloturm. Viel mehr stört sie aber der zu erwartende Elektrosmog. „Es gibt zwar Gutachten, in denen von keiner Gefahr für Menschen ausgegangen wird; es gibt aber auch gegenteilige Expertenmeinungen. Langzeitstudien existieren jedoch noch nicht. Niemand kann uns jetzt garantieren, dass in fünfzehn oder zwanzig Jahren Wissenschaftler nicht mit bösen Überraschungen aufwarten“, sagt Nicole Maertz und erinnert an früher häufig benutzte Chemikalien wie PCB und Asbest, deren Gefahrenpotenzial erst nach langer Zeit bekannt wurde. Skeptisch sind Nicole Maertz und das Ehepaar Rath auch, weil in der Schweiz und in anderen europäischen Staaten viel niedrigere Grenzwerte für elektromagnetische Strahlungen gelten als in Deutschland.
Jürgen Rath ist geradezu erbost darüber, dass für derartige Antennen keine Genehmigung des städtischen Bauamtes erforderlich ist und auch Kommunalpolitiker nicht mitzubestimmen haben. „Wenn ich einen Carport bauen möchte, benötige ich dazu eine Erlaubnis. Mit einer Antenne das Stadtbild zu verschandeln, ist dagegen ohne amtliche Genehmigung möglich“, moniert der Kaltenkirchener. In der Tat sind laut Landesbauordnung Antennenanlagen bis zu zehn Meter Höhe anzeige- und genehmigungsfrei. Gleiches gilt für Satellitenschüsseln bis zu 1,20 Meter Durchmesser. Auch der städtische Bebauungsplan verbietet nicht die UMTS-Anlage auf dem Siloturm. Das Gebäude steht in einem so genannten Mischgebiet, wo derartige gewerblich genutzte Anlagen erlaubt sind.
Um die Inbetriebnahme der Antennenanlage zu verhindern, haben Angelika und Jürgen Rath mit Nicole Maertz eine Interessengemeinschaft gegründet. Handzettel wurden verteilt und zahlreiche Unterschriften gesammelt. „Auch auf dem Stadt- und Weinfest am kommenden Wochenende werden wir unterwegs sein“, kündigte Nicole Maertz an. Das Trio wird zudem in der nächsten Woche im Rathaus vorsprechen. „Wir wollen die Stadtvertreter auffordern, sich dafür einzusetzen, dass in einer Bürgerversammlung alle hier im Ort tätigen Mobilfunkunternehmen ihre bisherigen und künftigen Vorhaben erläutern“, erklärte Jürgen Rath Telefon: 04191 / 959339). Er, seine Frau und auch Nicole Maertz sind Handy-Besitzer und möchten auf das Telefonieren unterwegs nicht verzichten. „Wir sind ja nicht generell gegen den Mobilfunk, sondern nur gegen die Vorgehensweise beim Antennenbau und den Standort. Wir fordern außerdem mehr Informationen seitens der Mobilfunkunternehmen für mündige Bürger“, betont Angelika Rath. Auch wenn ihre Bürgerinitiative den Start der UMTS-Station auf dem Silo-Turm höchstwahrscheinlich nicht verhindern kann, ist das Protest-Trio dennoch von einem Teilerfolg überzeugt. Nicole Maertz: „Wenn wir nur einige Bürger für die Themen Elektrosmog und Stadtbildverschandelung interessieren können, ist schon viel erreicht.“

nordClick/sz vom 04.08.2004 19:33

Umschau Online vom 12.09.2004Immer mehr Bürger gegen UMTS-AntenneKaltenkirchen - Der Protest wird immer größer. Die Kaltenkirchener Bürgerinnen und Bürger fürchten die Strahlung der UMTS-Antenne auf dem Dach des Raiffeisenturms Ecke Bahnhofstraße / Am Bahnhof, der der Raiffeisenbank Bad Bramstedt / Henstedt-Ulzburg gehört. Inzwischen hat die Bürgerinitiative Pro-Kaki eine Unterschriftenliste aufgelegt, in die sich über 800 Einwohner bereits eingetragen haben. Mit einem Informationsstand vor dem Rathaus informierten sie vor einigen Tagen über die Gefahren der Mobilfunkanlage. Auch mit dem Vorstand der Raiffeisenbank Bad Bramstedt / Henstedt-Ulzburg, Willi Göttsche, hat man gesprochen und auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Einen Abbau hat Göttsche jedoch nicht zugesagt.