Norderstedter Zeitung 19.9.2007



Radler und Rollstuhlfahrer unerwünscht?

Besonders kritisiert wird eine Treppe, die an zentraler Stelle gegenüber dem Flottkamp ins neue Viertel und zum Bahnhof führen soll. Radfahrern wird hier ein Hürdenlauf zugemutet.

Von Wolfgang Klietz
Kaltenkirchen -
"Fahrradfahrer und Rollstuhlfahrer vergessen" - das wirft der Kaltenkirchener Verein Pro Kaki Planern und Architekten des neuen Bahnhofsumfeldes vor. Pro-Kaki-Sprecher Reinhard Bundschuh hatte sich gemeinsam mit Vereinsfreunden im Rathaus die Pläne für den 30-Millionen-Euro-Komplex angesehen und kam danach zu dem Ergebnis, dass er mindestens einen "Schildbürgerstreich" entdeckt hat. Die Rede ist von einer Treppe, die an der zentrale Stelle gegenüber vom Flottkamp ins neue Viertel und zum Bahnhof führen soll.
"Offensichtlich sind Fahrradfahrer hier unerwünscht", sagt Bundschuh. Ihnen werde ein Hürdenlauf zugemutet, um auf den Bahnhofsvorplatz zu gelangen. Sie müssten erst vom Fahrrad absteigen und das Fahrrad fünf oder sechs Stufen tragen. Erst danach könnten Radler zu den Geschäften am Bahnhof oder in die Innenstadt gelangen. Für Eltern mit Kinderwagen sei der Platz nur schwierig, für Rollstuhlfahrer gar nicht erreichbar.
Pro Kaki fordert einen großen Zugang zur Innenstadt. "Die Breite muss für den Fahrradverkehr in beide Richtungen, für Fußgänger und Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen ausgelegt sein", sagt Bundschuh. Dieser Weg zum Bahnhofsplatz sei gleichzeitig Zugang zur gesamten Innenstadt.
Schon jetzt werde der Straßenübergang an der Kreuzung Flottkamp/Hamburger Straße stark frequentiert. Wer vom Schulzentrum oder aus den benachbarten Wohngebieten in die Innenstadt will, fährt dort entlang. Pro Kaki fordert außerdem, die Zugangsrechte der Allgemeinheit mit einer Eintragung im Grundbuch festzuschreiben.
Ebenfalls unzufrieden ist Pro Kaki mit der Idee des Architekten, die Fahrradständer direkt an der Straße und 80 bis 150 Meter entfernt von den Geschäften einzurichten. 120 Stellplätze für Fahrräder seien dort vorgesehen, doch schon jetzt stehen täglich unter dem Bahnhofsdach 200. "Es ist ganz offensichtlich, dass an dieser Stelle weitere 100 überdachte Fahrradstellplätze geschaffen werden müssen", sagt Bundschuh. "Die gute Idee von abschließbaren Fahrradboxen taucht in der Planung gar nicht mehr auf." Außerdem sorgen sich die Vereinsmitglieder, dass bei der Querung über die Hamburger Straße ein neuer Unfallschwerpunkt entsteht.
Auch architektonisch ist Pro Kaki von dem Projekt nicht begeistert. Den Charme eines Klo-Häuschens haben Vereinsmitglieder an einem Block entdeckt. Ein gelungenes Entree zur Kaltenkirchener Innenstadt sei vom Flottkamp aus nicht zu erkennen. "In diesem Zusammenhang könnten die großen Parkplatzflächen stärker begrünt werden", meint der Verein.
Außerdem schlägt Pro Kaki vor, den 100 Meter langen Gehweg entlang der AKN-Trasse besser zu beleuchten und mit Notrufsäulen auszustatten. Wie berichtet, hatte vor wenigen Wochen auch der "Kleine Kreis" gegen die Pläne protestiert und 2162 Unterschriften gesammelt. Die Gruppe besteht aus Architekten, Ingenieuren und dem FDP-Stadtvertreter Eberhard Bohn. Am Dienstag, 25. September, wird die Stadtvertretung voraussichtlich den Bebauungsplan absegnen. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr.


erschienen am 19. September 2007
Norderstedter Zeitung


Segeberger Zeitung 19.09.2007